Zitiert und Kommentiert

Freitag, 25. Juli 2008

Haiders Abgründe

Offenbar hab ich meine Reise ja ideal getimet. Die jüngsten Grauslichkeiten zum Wahlkampfauftakt hab ich noch miterleben müssen, von allem was da noch kommen mag (und sicher wird), werde ich nun wenigstens nur mehr Bruchstücke, und auch die nur aus sicherer Distanz mitbekommen.

Wenn man sich Haiders Aktion vom letzten Wochenende genauer ansieht, ist das ja wieder einmal sensationell. Ganz abgesehen von der alten und an sich schon erbärmlichen Taktik, mit primitiver Ausländerfeindlichkeit um Wählerstimmen zu buhlen, muss man sich die Vorgänge von Freitag bzw. Samstag Nacht (Kurier-Bericht) wirklich auf der Zunge zergehen lassen! Ich fasse - anhand des Berichts "Fekter gegen Haider", in: Tirol am Sonntag, 20. Juli 2008, S. 35 - zusammen:

Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (BZÖ) schickt einen Bus mit sechs Asylwerben von Kärnten los. "Damit hätten vier Männer, eine Frau und ein Kind (5) in das niederösterreichische Flüchtlingslager Traiskirchen gebracht werden sollen. Haider wollte, wie er sagt, auf diese Weise 'eine Reihe von strafffällig gewordenen Asylwerbern abschieben'. Doch Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) lässt den Bus an der kärntnerisch-steirischen Grenze von der Polizei stoppen, die Asylwerber haben in Kärnten zu bleiben. "Haider ist empört. Die Ministerin habe 'zum Schutz von gewaltbereiten Asylanten die Polizei' eingesetzt."

Moment einmal. Wie bitte? Habe ich das richtig verstanden: Herr Haider setzt also ohne jegliche Bedenken eine junge Frau und ihr fünfjähriges Kind in einen Bus mitten unter vier gewaltbereite Kriminelle!? Und sonst geht's aber schon noch gut!?

Man steht nun also vor der Wahl: Entweder die Anschuldigungen gegen die betroffenen Männer stimmen, dann ist es ein Skandal, dass Haider fahrlässig eine Frau und ihr Kind gefährdet. Oder aber die Anschuldigungen stimmen nicht, dann entlarvt dies die Aktion vollständig als plumpe populistische Ausländerhetze. In jedem Fall: Pfui!

Was im übrigen Haiders Empörung betrifft, die Ministerin habe zum Schutz von gewaltbereiten Asylanten die Polizei eingesetzt, so hätte ich da einen Vorschlag: Herr Haider, setzen Sie doch beim nächsten Deportationsversuch Ihren Parteichef Peter Westenthaler ans Steuer. Der hat ja scheinbar Übung darin, im Weg stehende Polizeibeamte mit dem Auto beiseite zu schaffen.. (orf.at-Bericht)

Dienstag, 1. Juli 2008

Ein Hoch auf den blinden Gehorsam?

Kanada feiert sich heute selbst. Der 1. Juli ist der Nationalfeiertag, Canada Day. Die zeitliche Übereinstimmung mag nur Zufall sein, aber der gestrige Kurier brachte einen Artikel von Heike Warmuth, der mir so gar nicht nach feiern zumute werden lässt.

Während des Vietnam-Krieges gewährte Kanada unter dem damaligen liberalen Premier Pierre Trudeau tausenden Deserteuren der US-Armee Asyl und sah sich als "einen Zufluchtsort vor Militarismus". Anders das heutige Kanada unter dem konservativen Premier Stephen Harper, das sich eher zu einem "Sympathisanten und Handlanger des Militarismus" zu entwickeln scheint: Um den südlichen Nachbarn nicht zu brüskieren, droht Fahnenflüchtlingen die Abschiebung in die und damit Verurteilung in den Vereinigten Staaten.

Ob Deserteuren, die aus einem demokratischen Land wie den Vereinigten Staaten stammen - in welchem es noch dazu, und das sei hervorgehoben, keine Wehrpflicht gibt, sie sich also freiwillig zum Militärdienst verpflichtet hatten - wirklich ein offizieller Anspruch auf Asyl eingeräumt werden muss, mag dahingestellt bleiben. Die öffentlichen Stellen in Kanada jedenfalls lehnen vor allem das von Soldaten vorgebrachte Argument ab, dass der Krieg im Irak "illegal" sei und sie daher als Flüchtlinge im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention anerkannt werden sollten. Erschreckend ist dabei die vom Kurier zitierte diesbezügliche Erkenntnis eines Kanadischen Bundesgerichts von 2006: "Von einem einfachen Fußsoldaten wird nicht erwartet, dass er oder sie ihre eigene Beurteilung über die Legalität eines Konfliktes macht".

So einfach ist das also. Eigenständiges Denken? Wird nicht erwartet. Eigenes Gewissen? Ist nicht erwünscht. Ich spinne den Gedanken fort: "Von einem einfachen Fußsoldaten wird nicht erwartet, dass er oder sie ihre eigene Beurteilung über die Legalität eines Befehls macht." Und am Ende trägt keiner irgendeine Schuld, denn jeder kann sagen: "Ich habe nur meine Befehle ausgeführt.."

O Canada.
:(

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Quelle: Heike Warmuth: „Fahnenflucht statt Kanonenfutter“, in: Kurier 30. Juni 2008, S. 7 (Artikel Online unter www.kurier.at).
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Montag, 30. Juni 2008

Irren ist Menschlich

Kürzlich in der Redaktion: Der Verlag gestaltet in einer Zeitung regelmäßig eine Promo-Info-Seite für einen Landesfonds, welcher sich um Wirtschafts- und Innovationsförderung bemüht. Dieses Mal soll Unternehmern und Finanziers Mut gemacht werden, neue Ideen auch einmal entgegen anfänglicher Skepsis weiterzuverfolgen.

Dazu werden in einem Kasten eine Handvoll historischer Herrschaften präsentiert, die innovative Ideen ihrer Zeit nicht erkannt hatten, und über deren Urteile man nachträglich nur lachen kann. Etwa nach der Marke: "Herr Bell, das Telefon mag zwar für Sie in Amerika nützlich sein, aber für uns in England ist das nichts. Wir haben sehr schnelle Kuriere."

Nun, die Rubrik ist also fertig recherchiert und geschrieben und wird den Auftraggebern zur Ansicht gesandt. Daraufhin folgt ein energischer Anruf von der beim Fonds zuständigen "Kampf-Emanze" (© die beim Verlag zuständige Redakteurin): 'Das sind ja alles nur Männer! Da muss eine Frau dazu!'

Entsprechend dem Wunsch wird dann also einer der Männer durch eine Frau ersetzt.

Ich rekapituliere: Das Ziel der Seite ist es, die Fehleinschätzungen einiger Personen zu entlarven, die sich - aus heutiger Sicht betrachtet - zum Affen gemacht haben. Und da musste nun also unbedingt auch eine Frau dazu!?

Ja, das ist wahre Emanzipation: Die LeserInnen müssen erkennen, dass das Irren menschlich und nicht nur männlich ist..

Mittwoch, 25. Juni 2008

Wider das Lehrer-Prügeln

Im Hinblick auf die jüngste Diskussion über Lehrerbewertungen hat sich Herr Tartarotti vom Kurier zu einem "Vergleich" hinreißen lassen, der schon nicht mehr hinkt sondern höchstens noch kriecht bzw. meiner Meinung nach schon darniederliegt. Bitte sehr:

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Dienstleistung

Die Lehrer werden von uns bezahlt, damit sie unsere Kinder ausbilden. Doch ist es ausgesprochen schwierig, die Qualität dieser Dienstleistung zu überprüfen. Man stelle sich vor, ein Friseur würde ständig windschiefe Frisuren schneiden oder ein Wirt versalzene Suppe servieren. Dennoch wären beide nahezu unkündbar, und ein Wechsel zu einem anderen Haarschneider bzw. Lokal wäre nur unter größten Schwierigkeiten möglich. Darüber hinaus gäbe es keine Möglichkeit, die Leistungen von Friseur und Wirt zu bewerten – ganz im Gegenteil, die beiden würden den Kunden jedes halbe Jahr Zeugnisse über die Qualität ihrer Haare oder über ihr Essverhalten austeilen.

Wieder wird über eine Lehrer-Beurteilung diskutiert, wieder bremst die Gewerkschaft. Ein – altersadäquates, formal sachliches – Feedback für den Lehrer durch seine Kunden, die Schüler, wäre selbstverständlich und nützlich. Kommen wird es lange nicht: Denn in Österreich habe konstruktive Kritik keine Tradition, sagt eine kritische Lehrerin. Da könnt’ ja ein jeder kommen. - GUITAR guido.tartarotti@kurier.at

Quelle: Kurier, Montag 23. Juni 2008, S. 1. Artikel online abrufbar unter www.kurier.at
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Es lebe der Stammtisch! Das halbe Jahr haben sie frei, diese nichtsnutzigen Lehrer, verdienen dabei 100.000 Schilling im Monat – und das auch noch unkündbar. Frechheit! Skandal!

Ich fang jetzt gar nicht an, zu versuchen, mit Argumenten zu erklären, warum dieser Vergleich völliger Schwachsinn ist.

Wer’s nicht versteht, der denke zunächst einmal über folgende Gegenfragen nach:

Erstens: Lieber Herr Österreicher, liebe Frau Österreicherin. Nun ist es doch so, dass es Ihre Pflicht als Eltern ist, ihre Kinder gut zu versorgen. Dafür erhalten Sie auch gewisse staatliche Vergünstigungen bzw. Kindergeld. Es ist deshalb nur recht und billig, dass wir Ihren geschätzten Nachwuchs regelmäßig evaluieren, was sie von Ihrer Leistung (inklusive Taschengeld, Ausgehzeiten etc) halten, und wenn es da zu viel Kritik gibt, dann setzt es aber staatliche Konsequenzen!

Zweitens: In noch keinem Formular, das ich ausfüllen musste, wurde je nach meinem Friseur oder Koch gefragt. Sehr wohl taucht da jedoch immer wieder die Rubrik "Beruf" o.ä. auf. Und siehe da, in dieser gibt es als Antwortmöglichkeit unter anderem "SchülerIn" o.ä. - Könnte ich jetzt daraus ganz frech schließen, dass Schüler eine Art Berufsgruppe darstellen? Eine Berufsgruppe, die daran arbeiten muss, sich selbstständig und unter Anleitung ihrer Vorgesetzten (der Lehrer) zu bilden? Lieber Herr Österreicher, liebe Frau Österreicherin. Bitte gehen Sie also morgen an ihrer Arbeitsstelle zu Ihrem Chef. Verlangen Sie, dass Sie als Angestellte das Recht haben müssen, Ihre Vorgesetzten regelmäßig zu evaluieren, was Sie von deren Leistung (inklusive Bezahlung, Arbeitszeiten etc) halten, und wenn es da zu viel Kritik gibt, dann setze es aber staatliche Konsequenzen!

In Österreich habe konstruktive Kritik keine Tradition, sagt eine kritische Lehrerin. Der Kurier-Kommentar ist wieder einmal ein guter Beweis.

Was nicht heißen soll, dass es nicht eine konstruktive Form von Evaluation geben könnte und womöglich sollte, wenngleich das nicht annähernd so einfach ist, wie wie sich das der Maxi bzw. die Mimi vom Kurier oder Herr Österreicher bzw. Frau Österreicherin vorstellen. Einige Blicke in die an den Universitäten üblichen Evaluationen würden das sicher bestätigen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Montag, 23. Juni 2008

Revolutionär!

Leute, Leute, heute tut sich ja was.

Erstens wurde Baron Herwig Van "Münchhausen" Staa völlig überraschend als Landeshauptmann entthront, bzw. dankt - natürlich ganz freiwillig - ab. Innenminister Platter tauscht den Wasserkopf Wien gegen die Weltstadt Innsbruck und wird neuer Tiroler Dorfkaiser Günther I. Als Graue Eminenz bzw. Schwarzer Königsmacher scheint wieder einmal Bauernbundobmann Anton Steixner fungiert zu haben - es dürfte also alles bleiben wie es war.

Zweitens erklärt Teamchef Josef "Pepi" Hickersberger heute überraschend, dass er "leer und müde" sei - nachdem vor ein paar Tagen noch fix schien, dass unser aller EURO-Hicke uns auch in die WM-Qualifikation führt (wo wir Frankreich und Rumänien das Fürchten lehren werden. ;) Ich vermute, Hickersberger wird zumindest eine 13-monatige Nationalmannschafts-Ruhepause einlegen, denn erst dann - im September 2009 - werden Österreichs Helden die beiden Qualifikations-Showdowns gegen die gefürchteten Faroer Inseln hinter sich gebracht haben..

Sonntag, 1. Juni 2008

Politikerhetze (?)

Heute wieder aus der Reihe "Berichte aus der Tiroler Woche" (Teil 1 hier):

Folgendes ereignete sich im Innsbrucker Stadtteil Sieglanger: Unbekannte Täter plakatierten Aufnahmen von Stadträtin Christine Oppitz-Plörer (ÖVP-nahe Liste "Für Innsbruck") und unterstellten ihr einerseits, sie sei gegen ein Sicherheitszentrum und andererseits, sie sei gegen eine Bachverbauung - was aber, so Oppitz-Plörer, beides nicht der Wahrheit entspreche.

van staa (Bild: meinbezirk.at / Stadtblatt Innsbruck)

Die Innsbruck-Ausgabe der "Tiroler Woche" verwertete diesen Vorfall auf ihrer Titelseite zum Aufhänger: "Hasskampagne gegen Stadtpolitiker. Hetzplakate gegen Oppitz-Plörer im Umlauf". Zusätzlich zum diesbezüglichen Artikel schwang sich wiederum auch Redaktionsleiter Johann Überbacher zu einer tiefgehenden gesellschaftspolitischen Analyse auf:


"Wehe wenn sie losgelassen". Diffamierungen und Plakate sind der Anfang

Familien- und Jugendstadträtin Christine Oppitz-Plörer ist über die Hetzkampagne entsetzt (vgl. Bericht Seite 5). Alle echten Demokraten müssen gegen diese Vorgangsweise auftreten, denn Plakate mit einem Konterfei und falschen Unterstellungen waren in totalitären Regimen jeglicher Couleurs sehr beliebt. Um die Schwere dieser Hetzkampagne aufzuzeigen, braucht man nur in die Geschichte zurückblicken: Zuerst Plakate und Diffamierungen, dann bestrichene Wände und eingeschlagene Fensterscheiben. Zum Schluss folgte das Attentat gegen Leib und Leben der Person. Was sich derzeit in Sieglanger abspielt, ist Innsbruck unwürdig. Die noch unbekannten Täter sollten rasch umdenken, denn Antidemokraten haben im 21. Jahrhundert nichts zu suchen [...] Dieser Vorfall sollte die Bewohner des Stadtteils im Westen mehr als rasch wachrütteln.



Sensationell. Ob sich das auch auf den Landtags-Wahlkampf anwenden lässt?

Alle echten Demokraten müssen gegen diese Vorgangsweise auftreten, denn Plakate mit einem Konterfei des Parteiführers und falschen Versprechungen waren in totalitären Regimen jeglicher Couleurs sehr beliebt. Um die Schwere dieser Wahlkampagnen aufzuzeigen, braucht man nur in die Geschichte zurückblicken: Zuerst Plakate und Propaganda, dann Gleichschaltung der Medien und Aufhebung des Rechts auf freie Meinungsäußerung. Zum Schluss folgte das Attentat gegen Leib und Leben der - politisch oder sonst irgendwie unliebsamen - Person. Was sich derzeit in Tirol abspielt, ist Österreich unwürdig. Die durchaus wohl (bzw. wahl-) bekannten Täter sollten rasch umdenken, denn Antidemokraten haben im 21. Jahrhundert nichts zu suchen [...] Dieser Vorfall sollte die Bewohner des Landes im Westen mehr als rasch wachrütteln.

Funktioniert ja wunderbar. Also: Stopp dem Wahlkampf?

Und jetzt vielleicht einmal positiv formuliert:

Alle echten Demokraten müssen diese Vorgangsweise unterstützen, denn Plakate mit öffentlich ausgedrückten Gedanken und Kritik war in westlichen Ländern jeglicher Couleurs sehr beliebt. Um die Bedeutung dieser Kampagne aufzuzeigen, braucht man nur in die Geschichte zurückblicken: Erst das eigenständige Denken der Bürger und der Mut, eine eigene Meinung kundzutun, die sogar im Widerspruch zu den Herrschenden stand, dann die Organisation in Parteien, um diese Interessen zu vertreten. Zum Schluss folgte die Errichtung einer echten Demokratie und Meinungsfreiheit.

Fantastisch. Ist ja wirklich super, wie vielseitig die Geschichte einsetzbar ist! Hurra!


Ernsthafte Nachsätze:

Sollten die Plakate tatsächlich Anschuldigungen verbreiten, die vollkommen jeglicher Tatsachen entbehren, ist die Aktion natürlich unter der Gürtellinie und abzulehnen. (Insbesondere wenn sich herausstellen sollte, dass sie einer politischen Partei entstammte.)

Es gilt aber noch darauf hinzuweisen, dass Stadträtin und Tiroler Woche unter Umständen die Plakate - absichtlich oder unabsichtlich - völlig missgedeutet haben: Es wäre nämlich möglich, dass die Plakatierer nicht bewusst falsche Zitate der Stadträtin wiedergaben, sondern dass der Text vielmehr ihre eigenen Wünsche - die eben im Gegensatz zur Stadträtin stehen - ausdrückt.

Aber davon ganz unabhängig: Die Vermarktung des Aufklebens von Plakaten (mit aggressiven Aufschriften wie "Lieber Sozialbauten als Sicherheitszentrum Sieglanger" wohlgemerkt!) als totalitäre Hetzkampagne ist schlichtweg hirnrissig und lächerlich.

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Quelle: Johann Überbacher: "'Wehe wenn sie losgelassen'. Diffamierungen und Plakate sind der Anfang", in: Tiroler Woche, 32. Jg, Freitag 30. Mai 2008, S. 3.
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Samstag, 24. Mai 2008

Van Münchhausen

Und heut darf's wieder politisch sein, weil die Geschichte einfach zu herrlich ist, um sie nicht weiterzuverbreiten.

Der ECHO-Verlag veranstaltete letzten Freitag, 13. Mai um 19:00 Uhr eine Diskussionsrunde zur kommenden Tiroler Landtagswahl. Eingeladen waren die Spitzenkandidaten von ÖVP, SPÖ, Grünen, FPÖ und Liste Dinkhauser. Sämtliche Spitzenkandidaten gaben ihre Zusagen.

Auf routinemäßiger Nachfrage des ECHO wenige Stunden vor Beginn der Diskussionsrunde wurde der Termin von allen Spitzenkandidaten bestätgt.

Eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung ließ ÖVP-Spitzenkandidat und Landeshauptmann Herwig van Staa dann durch den Geschäftsführer der Partei, Hannes Rauch, ausrichten, dass er leider absagen müsse, weil er sich um das insolvente Unternehmen Kematen Cosmetics bzw. um die 200 dadurch gefährdeten Arbeitsplätze kümmern müsse. Das sei wichtiger als diese Diskussion. Wie wahr. - Wenn's wahr wär.

Tja, aber dann tauchen Fotos vom Abend des 13. Mai auf, die einen unbeschwert in die Kamera lachenden Van Staa zeigen, der im Rahmen einer Wirtschaftskammerveranstaltung im Kurhaus Hall Meisterbriefe überreicht.

van staa

Manchmal frag ich mich echt...

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Quellen:
Bild: Die Grünen Tirol; Story: ECHO am Freitag, 23. Mai 2008, S. 4. (online abrufbar unter echoamfreitag.at via Flash oder als PDF)

Mittwoch, 21. Mai 2008

Der schwärzeste Schiedsrichter des Landes

"Ein Unparteiischer wird parteiisch," wie es die Kleine Zeitung treffend ausdrückte: Am 25. April präsentierte die Tiroler Volkspartei ihren Überraschungskandidaten für die Landtagswahl am 8. Juni. Österreichs Schiedsrichter Nummer 1, Konrad Plautz - der auch während der EURO 2008 zum Einsatz kommen wird - geht auf Platz 2 der ÖVP-Liste, gleich hinter Landeshauptmann Herwig Van Staa gereiht, ins Rennen.

Hier das Fundstück des Tages - der Wahlwerbespot in dem sich Plautz den Wählern vorstellt:



Man möchte meinen, ein Mann, der vor den Augen von Millionen von Fernsehzuschauern zig Fußballspiele vor - und zum Teil gegen - tausende grölende Fans im Stadion geleitet hat, weiß, wie man sich selbstbewusst und locker vor einer Kamera präsentiert!?

Stattdessen steht er da wie ein schüchterner, verschreckter Schuljunge, hölzerner als ein Tiroler Zirbenbaum. Völlig unnatürlich leiert er ein auswendig gelerntes Sprücherl herunter, wenn er es nicht gar vom Bildschirm abliest. Und so will er demonstrieren, was für ein einfacher, bodenständiger Tiroler er ist?

Man mag zu ihm persönlich oder seinem politischen Engagement stehen wie man will, eines ist sicher: Wäre das ein Fussball-Match und Plautz ein Spieler, hätte er für eine schauspielerische Einlage von derartig miserabler Qualität zumindest die gelbe Karte ("plumpe Schwalbe") präsentiert bekommen oder wäre sogar mit einer roten Karte ("grobe Unsportlichkeit") vom Platz gestellt worden.

A propos Plautz und Schauspielerei sei zum Abschluss noch einmal die Kleine Zeitung zitiert. "Der 43-jährige leitet in seiner Heimatgemeinde Navis die Schauspielbühne".

Samstag, 17. Mai 2008

So eine Scheiße..

"Hundedreck vertreibt Kinder von Spielplätzen" titelt die Innsbruck-Ausgabe der dieswöchigen "Tiroler Woche". Spielflächen und Sandkisten seien aufgrund von Hundekot für Kinder unbenutzbar, so der entsprechende Artikel auf Seite 5.

Redaktionsleiter Mag. Johann Überbacher analysiert dazu in seinem Kommentar:

"Hunde sind lieb und treu. Sie sind die 'besten' Freunde des Menschen. Sie können aber auch zu den größten Plagen der Menschheit werden. Um genau zu sein, natürlich nicht die Tiere, sondern ihre Besitzer. Manchmal muss man sich schon fragen, wer so ein Tier als seinen Weggefährten betrachtet. Seien es Angehörige sozialer Randschichten, die - zur Deckung des Lebensbedarfs - sich Tiere halten, da ja unsere Gesellschaft lieber einem Tier etwas zum Essen gibt als dem Mitmenschen. Andererseits glauben viele, dass die Haltung eines Tieres, sprich Hundes, einen Freibrief zur gesellschaftlichen Anstandslosigkeit verleiht..."

Ja, so einfach ist es: An allem ist natürlich wieder einmal eine Minderheit schuld. Die "Angehörigen sozialer Randschichten", sprich: das asoziale Pack. Man sollte wirklich etwas gegen diese Plage der Menschheit unternehmen! Die Mehrheit der anständigen Tiroler muss geschützt werden: Die netten alten Damen (mit ihren Schoßhündchen). Die smarten jungen Paare (mit ihren Golden Retrievern und Schäferhunden). Nur seltsam, dass es immer gerade sie sind, die ich dabei sehe, wie sie sich nicht an die Regeln halten. Es sind die ach so anständigen Menschen von Nebenan, die Maulkorb- und Leinenvorschriften völlig ignorieren und ihre Hunde selbstbewusst auf oder gleich neben die Gehwege scheißen lassen. Aber Schuld sind am Ende natürlich die ohnehin schon Ausgegrenzten und sozial Schwachen.

"Die Stadt hat die Aufgabe gerade die Schwächsten der Gesellschaft zu schützen, " fordert Herr Überbacher sehr richtig. Vielleicht sollte man damit beginnen, sie (und uns alle) vor seinen Kommentaren beschützen.

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Quelle: Johann Überbacher: "Kinder sind Unerwünscht. Hunde auf Spielplätzen gehören verboten", in: Tiroler Woche, 32. Jg, Freitag 16. Mai 2008, S. 3.
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Donnerstag, 15. Mai 2008

Unworte des Tages

"Die Roten und die Grünen kümmern sich um die Wärmsten der Warmen,
wir aber kümmern uns um die Ärmsten der Armen."


(FPÖ-Chef Heinz Christian Strache in seinen Ausführungen gegen staatlich anerkannte gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Wahlkampfveranstaltung der FPÖ zu den Tiroler Landtagswahlen, Franziskanerplatz / Innsbruck, 15. Mai 2008)

Quote

Wer die Enge seiner Heimat ermessen will, reise. Wer die Enge seiner Zeit ermessen will, studiere Geschichte. (Kurt Tucholsky, 1890-1935)

Latest Comments

Nein. Keine Sorge, mich...
Nein. Keine Sorge, mich gibt's noch. Irgendwie sind...
relationes - 2008/08/02 20:35
of topic
Der Mann der in Edmonton im Bus erstochen und geköpft...
zitali (anonym) - 2008/08/02 07:50
... und vor allem
... herzlichen Glückwunsch zum Namenstag!
P (anonym) - 2008/07/30 17:36
Freibier für alle
... wär doch eine Möglichkeit. Wior stoßen...
Papa (anonym) - 2008/07/30 17:31
hehehe... in einem/zwei...
hehehe... in einem/zwei tagen kann viel passieren =). und...
Leticia (anonym) - 2008/07/27 11:52
Du hast den nagel wiedermal...
Du hast den nagel wiedermal auf den kopf getroffen...
Leticia (anonym) - 2008/07/27 11:48
Danke fuer den Kommentar,...
Danke fuer den Kommentar, bzw. die langen Ausfuehrungen....
relationes - 2008/07/27 08:23

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